11.03.2021
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Digitale Bildung: Das muss in der neuen Legislaturperiode besser werden

Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen, besonders im Bildungsbereich. Corona war zwar ein Weckruf, aber die schnelle Aufholjagd blieb trotzdem aus und Fernunterricht entpuppt sich auch ein Jahr nach Pandemiebeginn als große Herausforderung. Kinder und Jugendliche müssen den jahrelangen Tiefschlaf nun ausbaden. Der Digitalverband Bitkom hat Handlungsempfehlungen für die neue Legislaturperiode formuliert.

•    Föderalismusreform 3.0 für mehr Einheitlichkeit zwischen den Bundesländern auf den Weg bringen:


Der Flickenteppich an Digitalisierungsmaßnahmen im Bildungswesen zwischen den einzelnen Ländern wird zunehmend größer. Wir brauchen aber stattdessen Vergleichbarkeit zwischen den Ländern und einheitliche digitale Lösungen. Das ist auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Deshalb benötigt der Bund dringend mehr Kompetenzen. Er muss in die Lage versetzt werden, bundesweite Mindeststandards zu setzen und die Schulen dort zu unterstützen und zu verpflichten, wo sie diese Mindeststandards nicht erfüllen. Die geplante Gründung einer Nationalen Bildungsplattform sollte daher in den Kontext einer Föderalismusreform 3.0 gestellt werden, die vereinheitlichte Standards für alle Länder zum Datenschutz und zur Nutzung digitaler Tools ermöglicht.


•    Online-Dashboard für mehr Transparenz einführen:


Ein zentrales Online-Dashboard sollte darüber aufklären, auf welchem Stand die Digitalpaktumsetzung, der Infrastrukturausbau und weitere Digitalisierungsprozesse an Schulen sind. Das Dashboard bildet die Grundlage für Entscheidungen darüber, an welcher Stelle mehr Kooperation notwendig ist und wo der Bund stärker unterstützen sollte. Wie beim OZG-Dashboard könnte jedes Bundesland die Verantwortung für einen Themenbereich übernehmen, um so Kompetenzen zu bündeln.


•    Digitale Bildung langfristig finanzieren und im Schulgesetz verankern:


Digitaler Unterricht muss jetzt nachhaltig und inklusiv ausgebaut werden. Hierfür sind mehr als finanzielle Einzelmaßnahmen nötig. Es braucht ein auskömmliches Finanzierungskonzept für digitale Bildung, das zusätzliche Mittel zur Verfügung stellt. Bund und Länder müssen einen gemeinsamen Plan zur dauerhaften, zeitlich unbegrenzten Finanzierung von IT-Ausstattung und -Administration, Bildungsinhalten, Kommunikationstools und Lehrkräfteaus- und -fortbildung entwickeln. Eine präzise Verankerung des Einsatzes digitaler Lehr- und Lernsysteme sowie hybriden Lernens in den Schulgesetzen sorgt zudem für Klarheit und Transparenz zwischen allen Akteuren.


•    IT-Ausbildungen, Informatik- und Digitalisierungsstudiengänge für alle Geschlechter attraktiv gestalten:


Um in der IT-Wirtschaft weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Potenziale von Frauen und Männern gleichermaßen genutzt werden. Dafür müssen die vier IT-Ausbildungsberufe bereits in der schulischen Berufsorientierung breit beworben, die Abbruchquote im Informatikstudium gesenkt und erfolgreiche Vorbilder aus dem IT-Sektor bereits in den Schulen sichtbar gemacht werden. Neben der klassischen Informatikausbildung muss langfristig ein Umdenken stattfinden, damit neue Gestaltungskompetenzen für die Digitalisierung in Studiengängen und Ausbildungen vertieft werden. Als Konzept kann hier die Idee der Digitalen Bauhäuser dienen.

 

•    Fortbildungsbedarfe mit dem Weiterbildungsmonitor niedrigschwellig identifizieren und zugänglich machen:


Die digitale Transformation der Arbeitswelt bringt neue Herausforderungen mit sich. Arbeitnehmer müssen daher zeit- und ortsflexibel ihr Kompetenzspektrum individuell erweitern. Dafür brauchen wir einen Online-Weiterbildungsmonitor, mit dem Arbeitnehmer sowie Jobsuchende ihre Chancen in Unternehmen und ihren Fortbildungsbedarf unkompliziert identifizieren und bewerten können. Die Umsetzung eines Weiterbildungsmonitors sollte eng mit der Entwicklung der Nationalen Bildungsplattform sowie den Maßnahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie verzahnt werden. So können identifizierte Weiterbildungsbedarfe  direkt bedient werden. Die bestehenden staatlichen Förderungen sollten sich stärker für digitale Weiterbildungskonzepte aller Stufen öffnen, um den Zugang niedrigschwelliger zu ermöglichen.